Kunstrasen oder Naturrasen?


Derzeit hat sich die Öffentlichkeit - durch Untersuchungen in EU-Kreisen befeuert – auf Kunstrasenplätze als eine potentiell bedeutende Quelle der Mikroplastik-Belastung eingeschossen. Zurecht?

Das Granulat ist das Problem

Vielfach unberücksichtigt bei der teils etwas oberflächlich geführten Diskussion ist die Tatsache, dass nicht der Kunststoffbelag selbst, sondern das meistens darin verfüllte Granulat die eigentliche Quelle des entstehenden Mikroplastiks ist. Dieses Granulat besteht meistens aus zerkleinerten Autoreifen.

In der „Rheinpfalz am Sonntag“ vom 25. August 2019 hieß die Überschrift deshalb auch „Verflixtes Granulat“. Deshalb betrifft das drohende Verbot nicht die Kunstrasenplätze an sich, sondern lediglich die Granulat-Verfüllung mit Kunststoff.

Abrieb von Schuhsohlen erzeugt mehr Mikroplastik

Das Verbot ist wohl berechtigt, aber wenn man bedenkt, dass lt. Untersuchungen des Fraunhofer Instituts die Mikroplastik-Belastung durch Abrieb von Schuhsohlen mit 109 g/cap a höher ist als der von Kunstrasen-Granulat (96,6 g), sollte man die Sache nicht dramatisieren. Um die Zahlen richtig einzuordnen: Autoreifen sind mit 998 g Hauptquelle von Mikroplastik. Selbst Straßenasphalt, dessen Bitumen Polymere enthält, erzeugt 228 g/a Mikroplastik.

Kunstrasen in Offenbach seit 10 Jahren ohne Granulat

In Offenbach verfolgt man die Diskussion einigermaßen gelassen, denn schon im Jahr 2009 wurde dort der erste Kunstrasen ohne Granulat in Südwestdeutschland verlegt. Damals als Referenzplatz und ohne öffentliche Förderung, weil er noch nicht als zuschussfähiges Produkt eingestuft worden war. Mittlerweile wird er bevorzugt empfohlen.

Muss es ein Kunstrasen sein?

Selbstverständlich bleibt ein Naturrasen für jeden Sportler immer erste Wahl. Wird der Rasen jedoch das ganze Jahr über intensiv bespielt, ist er innerhalb kürzester Zeit ruiniert.

Deswegen legte man bis in die 90er Jahre Asche- und Tennenplätze an, die jedoch oft schlimme Verletzungen hervorriefen. Diese Hartplätze werden nun meist zu Kunstrasenplätzen umgebaut.

Pflegeaufwand geringer

Neben der größeren Widerstandsfähigkeit und dem höheren Nutzungsgrad des Kunstrasens sind die geringeren Pflegekosten gegenüber einem Naturrasen ein gewichtiges Argument für Kommunen und Vereine bei der Entscheidung über den zu wählenden Belag für eine Sportstätte. Mähen und regelmäßiges Linieren entfallen. Gelegentliches Aufbürsten und absaugen reicht.

Der sozioökonomische Nutzen der größeren Möglichkeit der sportlichen Betätigung der Bevölkerung fließt deshalb verstärkt in die Gesamtabwägung mit ein.

Alternativen zum Granulat?

Kork-Granulat wird in verschiedenen Publikationen als Alternative zum Kunststoff gepriesen. Neben der Rohstoff-Knappheit sprechen die Nutzungsqualität sowie die Feinstaubbelastung durch die zerriebenen Korkpartikel eher gegen diesen Füllstoff.

 

Wenn also die Nutzungsfrequenz die Verlegung eines Kunstrasens rechtfertig, sollte es möglichst ein nichtverfüllter und vor allem komplett recyclingfähiger Belag sein.

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