Bornheim: Volkstrauertag 2020


Liebe Bornheimerinnen und Bornheimer,

in diesem Jahr 2020 ist alles anders.

Gerne hätte ich Sie zu der Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf unserem Friedhof gemeinsam mit den Vertretern der Kirchen begrüßt. Corona bedingt wurde kreisweit auf die Durchführung öffentlicher Veranstaltungen verzichtet, dies umfasst auch die Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag.

Das gemeinsame Gedenken und die Erinnerung an unsere Angehörigen, Freunde, Verwandte und geschichtliche Ereignisse fördern die gesellschaftliche und gemeinschaftliche Verbundenheit und die Mahnung, dass Geschichte sich nicht wiederholen darf.  

Vor 75 Jahren endete ein Krieg, der zwischen 60 und 70 Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Ein beispielloser Vernichtungskrieg hat ein Land zurückgelassen, dass weitgehend verwüstet und verwundet blieb. Die Toten der letzten Kriegstage wurden oft nur notdürftig bestattet oder blieben verschüttet. Noch heute werden sie gefunden, geborgen und auf Kriegsgräberstätten bestattet. Wir erinnern uns an die Geschichte des 20. Jahrhunderts und gedenken der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Wir gedenken der Menschen, die sich in diesen 75 Jahren für den Frieden eingesetzt haben und sich immer noch einsetzen. Es ist ein gefährliches Unterfangen, da dieser Einsatz in vielen Ländern von Unterdrückung, Angst und Terror begleitet ist. Wieder ist ein Krieg aufgeflammt in Aserbaidschan, ein seit Jahren schwelender Konflikt, der nicht gelöst werden kann. In Teilen Afrikas, in Syrien und Afghanistan wird gekämpft. Nur der reine Machterhalt, Neid, Missgunst und finanzielle Erwägungen sind   Hintergrund dieser menschenverachtenden Verhaltensweise. Aus dem Grauen beider Weltkriege haben Menschen immer noch nichts gelernt und denken, dass Konflikte mit Waffengewalt gelöst werden können.

In der Pandemiezeit in diesem Jahr durften Angehörige ihre Eltern, Pflegebedürftigen und Kranken nicht besuchen. Das war für alle eine einschneidende Entscheidung.  Dies bestätigt uns wieder, dass es unumgänglich ist, dass Menschen für einander eintreten, sich gegenseitig stützen und emotionale Zuwendung gewähren. Dies erinnert uns, nicht weg zu sehen, nicht zu schweigen und nicht unsere Wurzeln und die Vergangenheit zu vergessen.

Gedenkstätten in ganz Europa erinnern uns daran, dass Hinterbliebene Orte der Erinnerung und des Gedenkens an ihre Verwandten und Freunde brauchen. Auch den Toten sollte man mit Empathie begegnen, damit man die Vergangenheit und die Zukunft akzeptieren und annehmen kann.

Die Gräber und Gedenkstätten der Opfer von Krieg, Gewalt und Terror sind solche Orte, die den Toten eine Stimme geben, wo die Hinterbliebenen sich erinnern und uns ermahnen, dass es sich lohnt, sich für Frieden, Freiheit Gerechtigkeit und Menschlichkeit einzusetzen.

Zuletzt haben die Menschen gerade in der Krise in diesem Jahr doch bewiesen, dass sie in Corona-Zeiten zusammenstehen und sich gegenseitig unterstützen. Wo es schwierig wird, wo Menschen Angst und Sorgen haben, wo gar handgreiflich um Wasser und Nahrungsmittel gerungen wird, da gibt es Menschen, die helfen, sowohl medizinisch, psychologisch, in der Seelsorge oder in der ehrenamtlichen Beratung.

Am Volkstrauertag können wir uns nicht treffen, da wir bedroht sind, von einer Pandemie, die uns alle in unserem alltäglichen Leben einschränkt. Wir schützen unsere Angehörigen, Nachbarn und Freunde indem wir Abstand halten und uns einschränken bei Terminen, Festen und Veranstaltungen.  Wir können aber diese Zeit nutzen, um in kleinem Kreis zu reden, zuzuhören und uns zu erinnern. Wir können Hilfe anbieten und auch Hilfe einfordern in dieser nun schwierigen Zeit, die uns gemahnt, dass die Menschlichkeit und Gemeinschaft hilft, alle Krisen zu überwinden.

Elke Thomas

Ortsbürgermeisterin

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