
Lai wächst in den 1970/80er Jahren in einem ärmeren Stadtteil Pekings auf, wo sie zur Schule geht und draußen mit ihren Freund*innen spielt. Sie hat einen jüngeren Bruder, den sie sehr liebt, eine Mutter, mit der sie nicht gut auskommt, einen schweigsamen, geduldigen Vater und eine Großmutter, die einzige Person, von der sie sich wahrgenommen fühlt. Zusammen leben sie in beengten Verhältnissen, in einem Haus, wo auf den Fluren getratscht und gefeiert wird, wo jeder jeden kennt und wo es niemals still ist.
Ihr Vater war während der Kulturrevolution in Haft, wo er Schlimmes erlebt haben muss. Er spricht nicht darüber, aber einmal zeigt er Lai eine Mauer, auf der er ein Erinnerungsgedicht für seine Tochter hinterlassen hat, genau wie viele andere Menschen in Peking. Diese Mauer wird eines Nachts von Baggern niedergerissen.
Lai ist trotz allem eine gehorsame Tochter und eine sehr gute Schülerin. Sie erhält, mit anderen ausgewählten Schüler*innen Sonderunterricht und qualifiziert sich für die Universität Peking. Es ist das Jahr 1988. Für Lai öffnet sich eine ganz neue Welt. Dort lernt sie Menschen kennen, die ihre Wünsche und Gedanken nicht für sich behalten. Die gerne laut ihre Meinung sagen möchten. Die sich nicht vom Staat vorschreiben lassen wollen, wie sie zu leben haben, und nicht von der Partei, was sie denken sollen.
Und all das führt sie am Ende zum Platz des Himmlischen Friedens.
Lai Wen beschreibt in ihrem ersten Roman ihr eigenes Leben. Sie lebt heute mit ihrer Familie in Kanada.
(Gabriele Rilling)